Muss ich Teamkommunikation wirklich erst ermöglichen?

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Teamkommunikation ermöglichen – ist das nicht eine Selbstverständlichkeit? Reden die Teammitglieder nicht zwangsläufig ständig miteinander?

Diya, eine gebürtige Inderin, arbeitet seit 3 Monaten im Marketingteam eines Münchener Unternehmens. Obwohl insgesamt zehn Kollegen am aktuellen Projekt beteiligt sind, fühlt sich Diya oft einsam an ihrem neuen Arbeitsplatz. Ihr Kollege Robert, mit dem sie ein Büro teilt, ist wortkarg und arbeitet am liebsten alleine. Die anderen Kolleginnen des Teams kennen sich schon länger und verbringen die tägliche Kaffeepause zusammen. Diya fällt es jedoch schwer Anschluss zur Gruppe zu bekommen. Der Teamleiter Jochen wiederum ist meist sehr beschäftigt und bevorzugt knappe E-Mails für die Kommunikation. Bei Meetings geht er nur kurz die Aufgaben durch, für persönliche Gespräche bleibt kaum Zeit. Als sich beim nächsten Meeting herausstellt, dass es bei der Umsetzung eines Marketingkonzeptes mehrere Missverständnisse zu Fehlern geführt haben, fragt Jochen seine Mitarbeiter überrascht: „Sprecht ihr denn gar nicht miteinander?“ 

Es mag merkwürdig klingen, doch auch innerhalb von Teams ist es wichtig, auf die Teamkommunikation zu achten und sie gezielt zu ermöglichen und zu fördern. Man könnte annehmen, dass Kollegen ausreichend miteinander reden, immerhin arbeiten sie ja tagtäglich zusammen. Doch in der Realität zeigt sich, dass Vorgesetze die Teamkommunikation aktiv mitgestalten müssen, damit ein gesundes Arbeitsklima entstehen und erhalten werden kann. Nicht nur die Aufgaben sollten bei Meetings im Mittelpunkt stehen, auch das gemeinsame Miteinander darf nicht vernachlässigt werden.

Ohne funktionierende Teamkommunikation: Missverständnisse, Motivationsverlust und fehlende Synergie

Obwohl in einem Team vermeintlich genug geredet wird, bleibt die Kommunikation ohne entsprechende Maßnahmen oft nur oberflächlich. Es werden lediglich die anfallenden Aufgaben besprochen, Gespräche finden flüchtig zwischen Tür und Angel statt oder der Austausch beschränkt sich auf Klatsch und Tratsch in der Kaffeepause. Vielleicht herrscht im Unternehmen auch eine stark ausgeprägte E-Mail-Kultur oder die Mitarbeiter sitzen in Einzelbüros, was dazu führt, dass der zwischenmenschliche Kontakt noch weiter reduziert ist. Wenn Führungskräfte es dann versäumen, einen Rahmen zu schaffen, wo Schnittstellen, Abläufe und Vorgehensweisen besprochen werden und auch die zwischenmenschliche Ebene gepflegt werden kann, bleiben zu viele Dinge ungesagt.

Missverständnisse nehmen zu und schlechte Absprachen führen zu Sand im Getriebe. Möglicherweise fühlen sich Mitarbeiter allein gelassen, finden keinen Anschluss zum restlichen Team oder ärgern sich im Stillen über ihre Kollegen. Aufgestaute Gefühle, dahinschwindende Motivation und Frustration sind nicht selten die Folge. Im schlimmsten Fall entstehen Konflikte, die nicht nur das Team spalten, sondern auch die Erledigung der Arbeit negativ beeinflussen: aufgrund mangelnder Kommunikation zwischen Teammitgliedern kommt es zu Missverständnissen, Doppelarbeit und fehlender Synergie.

Daher lohnt es sich, die Teamkommunikation rechtzeitig zu ermöglichen und durch verschiedene Maßnahmen auch gezielt zu fördern.

4 einfache Maßnahmen für mehr Synergie und Teamgeist

Mit wenigen einfachen Maßnahmen können Sie einen verbesserten Kommunikationsfluss im Team unterstützen. Als Führungskraft sind Sie auch ein „Facilitator“ und bieten die notwendige Plattform und begleiten das Teamgespräch falls notwendig durch Moderation. Legen Sie dabei gewisse Grundregeln fest, damit eine faire und konstruktive Kommunikation möglich ist.

Stellen Sie dabei auch regelmäßig die Frage an das Team:

Was tun wir, wie tun wir es, ist das gut so und wie geht es uns damit?

1. Täglicher Wetterbericht

Planen Sie ein tägliches kurzes Beisammensein von ca. 20 Minuten fest in den Tagesablauf ein. Eine Kaffepott-Länge oder – falls Ihr Team es gesünder mag –  Smoothie-Länge ist dazu ideal. Erkundigen Sie sich nach dem Befinden der Mitarbeiter und lassen sie diese beispielsweise ihr „inneres Wetter“ beschreiben. Sieht es bei ihnen heute eher heiter, neblig oder stürmisch aus?

Diese einfache Technik dient dazu, Gefühle in bildhafter Sprache ausdrücken und hilft dabei, einen lockeren Rahmen zu schaffen. Sie bekommen schnell ein Gefühl für die Stimmung und die allgemeine „Wetterlage“ im Team.

 

 

2. Regelmäßige längere Treffen mit Bezug auf das Projekt und das Team

Stellen Sie sicher, dass auch längere projektbezogene Treffen regelmäßig stattfinden. Bei diesen 1-2 stündigen Meetings können Sie dann nicht nur die Aufgaben und Status aktueller Projekte gründlich durchgehen, sondern auch teambezogene Fragen klären.

Funktioniert die Arbeitsaufteilung?

Wo hakt es?

Was funktioniert besonders gut?

Wie geht es den Mitarbeitern dabei?

Was kann ggf. verbessert werden?

Wenn Sie sehen, dass es Probleme oder Konflikte gibt, können Sie frühzeitig eingreifen. Holen Sie dafür nur die betroffenen Mitarbeiter an einen Tisch und ermöglichen Sie ein moderiertes Gespräch.

3. Gemeinsame Unternehmungen & Spaß

Was früher noch der klassische Betriebsausflug war, ist heute die After-Work-Party. Finden Sie heraus, was am besten zur Persönlichkeit Ihrer Mitarbeiter passt und regen Sie diese zu gemeinsamen Aktivitäten an. In einem privateren Rahmen und losgelöst vom Alltagsstress können sich die Mitarbeiter in entspannter Atmosphäre besser kennenlernen. Gerade bei neuen Teams können gemeinsame Unternehmungen dabei helfen, dass Mitarbeiter sich leichter integrieren.

4. Teambuilding-Workshops

Falls Probleme oder Konfliktpotential die Arbeit behindern oder ein größerer Kommunikatoinsbedarf aufgrund von anstehenden Veränderungen besteht, können auch spezielle Teambildungsworkshops dazu genutzt werden, den Informationsaustausch zu fördern und Zusammenhalt des Teams zu stärken. Allerdings muss dies vom Team auch gewollt sein. Von oben verordnet werden sollte diese Maßnahme nur dann, wenn die Situation durch zu langes Warten schon sehr verfahren ist und bereits behindernde Konflikte entstanden sind.

Wenn die Kommunikation stimmt: mehr Motivation und Zufriedenheit

Gute Kommunikation ist die wichtigste Grundlage für eine gelungene und erfolgreiche Zusammenarbeit. Indem Sie durch regelmäßige und fest eingeplante Maßnahmen, einen entsprechenden Rahmen für ehrliche und konstruktive Teamkommunikation schaffen, profitieren nicht nur die einzelnen Mitarbeiter, sondern das gesamte Unternehmen.

Die gemeinsamen Aktivitäten fördern das Vertrauen und den Zusammenhalt der Mitarbeiter sowie Toleranz und Wertschätzung im Team. Die regelmäßige Reflektion über die innere Wetterlage hilft außerdem dabei, ein Gefühl für die allgemeine Stimmungslage zu bekommen, nutzt aber auch der Selbstreflektion. Nicht zuletzt wird durch Ihre unterstützende Präsenz auch das Vertrauen in Sie als Führungskraft gestärkt – all diese Faktoren zusammen schaffen die besten Voraussetzungen für zufriedene Mitarbeiter und erfolgreiche Teamarbeit.

Der amerikanischen Top-Managers Lee Iacocca, früherer Vorstandsvorsitzender der Chrysler Corporation, weiß wovon er spricht: „Die einzige Möglichkeit, Menschen zu motivieren, ist die Kommunikation.“

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